Moringa wird in vielen Teilen Afrikas und Asiens nicht nur als Heilpflanze genutzt, sondern auch als Nahrungsmittel (Hauptnahrung und Nahrungsergänzung). Nahezu alle Bestandteile des Baums können verzehrt werden.

  • Blätter
  • Früchte (Schoten)
  • Samen
  • Blüten
  • Rinde
  • Wurzeln

Blätter / Blattpulver / Presslinge

Mit den Moringa Blättern verfügt man über einen grünen "Schatz", der als Nahrungsmittel für die Vitalstoffversorgung und als Pflanzenmedizin absolut einmalig ist. In den Ursprungsländern werden sie roh gegessen, wie Blattgemüse gekocht oder in einer Pfanne zu einem Gemüsecurry zubereitet. Die Blätter und das daraus hergestellte Pulver sind auch für die Teezubereitung geeignet, der vom Geschmack her, dem des Brennnesseltees ähnelt. Er ist besonders reich an Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien.

 

Eigenschaften / Wirkung: antimikrobiell, krebshemmend, schützt vor freien Radikalen und verbessert das Verhältnis zwischen HDL- und LDL-Cholesterin

 

Anwendung (innerlich): entzündungshemmend, schmerzsenkend, vitalstoffreich

 

Hilfreich bei: Unterernährung, Anämie, fleischloser Kost, Tuberkulose, Asthma, Bronchitis, vorzeitiger Alterung, Nervosität, Reizbarkeit, funktioneller Sterilität, Hörproblemen, Cholera, Ruhr, Diarrhöe, Kolitis, Gelbsucht, Skorbut, Brennen in der Harnröhre, Herz-, Leber-, Nieren- Erkrankungen, Bluthochdruck, übermäßigem Durst, Diabetes, Verstopfung, Übelkeit, Allergie der Augen und anderen Augenproblemen, Hämorrhoiden, Gedächtnisschwäche, Krätze, Rheuma, Blutverlusten, Kopfschmerzen, Tumoren

 

Anwendung (äußerlich): Verstauchungen und Prellungen, Pickel, Mitesser, Wunden



                                                                            Früchte / Schoten


In den ersten 2 Jahren wirft ein Baum rund 80-90 Früchte ab. Ist der Baum ausgewachsen, werden die Früchte 25 - 70 cm und in Einzelfällen sogar über 90 cm lang. Wegen ihrer schlanken Form und weil sie im Alter holzig werden, werden sie auch als Drumsticks (Trommelstöcke) bezeichnet. In südlichen Ländern werden sie in frischer Form als Grundnahrungsmittel verwendet.


Samen

Die ausgereiften Früchte enthalten 12 bis maximal 35 Samenkerne mit einem Durchschnittsgewicht von 0,3 Gramm. Sie sind hellbraun bis dunkelbraun und eingebettet in 3 papierartige weiße Flügel. Die Samen können roh gegessen, geröstet oder gekocht werden und haben antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften.


Studien haben ergeben, dass sie u.a. bei Arthritis wirksam sind. Moringa-Samenextrakte können auch dabei helfen, unbeliebte Mikroorganismen und Pflanzenschädlinge in Schach zu halten. Positiv wurde die Wirkung z.B. bei Pansenmikroorganismen getestet, die bis zu 30% des Nahrungsproteins verbrauchen und deshalb in der Landwirtschaft durch Formaldehyd oder Antibiotika unterdrückt werden. Nach der Uni Hohenheim stünde bei einer Optimierung eventuell ein Ersatzstoff für die Fütterungsantibiotika zur Verfügung.

 

Hautschützende Wirkung: Nach Dr. Hans Lautenschläger haben die positiv geladenen Ionen der Proteine der Samen einen Lotuseffekt, der dabei hilft, die Verschmutzung der Haut zu reduzieren (Quelle: Kosmetik International 2007 (3), 72-76). Hautschädigende Partikel wie Staub, Abgase, Zigarettenrauch, Ruß, Pollen oder städtische Feinstaubbelastungen sind überwiegend positiv geladen. Da die Moringa Proteine die gleiche Ladung aufweisen, können diese Schadpartikel aufgrund der abstoßenden Wirkung weit weniger an der Haut anhaften. Diese Eigenschaft nutzt man auch bei Haarpflegeprodukten aus.

Eigenschaften / Wirkung: scharf, bitter, schmerzstillend, entzündungshemmend, abführend, fiebersenkend

 

Hilfreich bei: Neuralgien, Fieber, Entzündungen, Arthritis, Augenproblemen, Asthma


                                                                                            Blüten

Die 2 bis 3 cm großen Blütenblätter, die über einen Zeitraum von 3 Monaten blühen, sind weiß bis cremig-weiß und können zu Tee aufgebrüht werden. Dieser hat eine stimmungsaufhellende, stimulierende und kräftigende Wirkung. Der Blütennektar wirkt entzündungshemmend. Einheimische Imker nutzen ihn zur Herstellung von Moringa-Honig.


Eigenschaften / Wirkung: stimulierend, kräftigend, stimmungsaufhellend


Hilfreich bei: Gallenabfluss, entwässernd, Aphrodisiakum


Öl und Presskuchen

Der Ölanteil der Samen beträgt bis ca. 35 %. Dieses wertvolle Öl ist auch unter dem Namen Behenöl, Benöl oder Moringa-Öl bekannt. Es hat einen Anteil der einfach ungesättigten Ölsäure (Omega-9-Fettsäure) von 70 % und damit eine ähnliche Fettsäurezusammensetzung wie das Olivenöl. Die Farbe ist hellgelb bis -braun und der Geschmack angenehm charakteristisch und mild. Das Öl wurde bereits bei den alten Römern und Griechen geschätzt und war in Ägypten das am häufigsten, zu medizinischen Zwecken verwendete Pflanzenöl. Noch heute sind aus dieser Zeit Behältnisse mit diesem Öl erhalten. Was das Moringa-Öl auszeichnet, ist seine sehr hohe Oxidationsstabilität. Nach dem Rancimat-Test, bei dem das Öl einem Luftstrom von 100° C ausgesetzt wurde, sind dies mehr als 80 Stunden.


Im kosmetischen Bereich wird es deshalb als stabile, aber wirksame Lipidgrundlage für Haar-, Seifen- und Hautpflegeprodukte eingesetzt. Die Ölsäure (72,5 %, C 18: 1) macht die Haut weicher und fördert die Durchlässigkeit der Haut für andere Hautwirkstoffe (Penetrationsverstärker). Die Palmitinsäure (6,2 %, C 16:0) und die Stearinsäure (5,3 %, C 18:0) sind wichtige Bestandteile der äußeren Hautschicht (Stratum Corneum, Hornschicht) und schützen diese vor negativen Umwelteinflüssen. Die Behensäure (5,7 %, C 22:0) sorgt für eine festere Konsistenz und schützt vor der Bildung von freien Radikalen, die die Haut schneller altern lassen.


"Doch auch, was modern als Anti-Aging bezeichnet wird, war vor 3500 Jahren schon in Mode. Zur Beseitigung der Falten im Gesicht empfiehlt der Papyrus Ebers: Man verreibe fein Weihrauch, Wachs, frisches Behenöl und Zyperngras, gebe die Mischung auf Pflanzenschleim und behandle damit täglich das Gesicht. Mache es, und du wirst den Erfolg sehen."

(Quelle: Ägyptologie-Blatt, "Götter, Seher und Ärzte", 26.01.2003)


Der verbleibende Ölpresskuchen hat ähnliche Eigenschaften wie die Samen und kann zur Wasseraufbereitung, als Bodenverbesserer oder Düngemittel genutzt werden. Eine andere mögliche Anwendung, die zurzeit untersucht wird, ist der Einsatz als proteinreiches Futtermittel. Entfettet beträgt der Eiweißanteil ca. 60 % und Fütterungsversuche der Universität Hohenheim an Lämmern verliefen Erfolg versprechend.


Eigenschaften / Wirkung (äußerlich): entzündungshemmend, hautverjüngend


Hilfreich bei: Gicht, Arthritis, rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen


                                                                                        Wurzeln und Rinde

Im afrikanischen und asiatischen Raum werden auch die Rinde und Wurzeln des Moringa Baumes als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten verwendet. Dank der hohen Mengen an Senfölglykosiden (Glucosinolaten) in den Wurzeln haben diese antibiotische Eigenschaften, jedoch auch eine abortive (abtreibende) Wirkung bei entsprechender Konzentration.


Quelle: CLAUS BARTA 2011:Moringa Oleifera - Die wichtigste Pflanze der Menschheitsgeschichte, 2. Aufl. 2013